Wirkung der Chlorung auf die Aufkeimung von Pseudomonas aeruginosa und Aeromonas spp. (2001-2003)< zurück

BMBF-Verbundvorhaben 02 WT 0276

Exportorientierte F & E auf dem Gebiet der Wasserver- und -entsorgung


Durch die oxidative Wirkung von Chlor werden bei Wässern mit erhöhten DOC-Gehalten neben anderen Desinfektionsnebenprodukten auch mikrobiell gut abbaubare organische Verbindungen gebildet, die sich als Erhöhung des assimilierbaren organischen Kohlenstoffs (AOC) bemerkbar machen. Nach Zehrung des freien Chlors kann es in solchen Wässern zu einer erhöhten Wiederverkeimung (Erhöhung der Koloniezahlen) im Netz kommen, was auch bereits in der Praxis beobachtet wurde.

Im Rahmen des BMBF-Verbundvorhabens „Exportorientierte Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Wasserver- und -entsorgung“ sollte u. a. geprüft werden, ob ein vergleichbarer Effekt auch bei aufkeimenden hygienisch relevanten Arten, z.B. Pseudomonas aeruginosa und Aeromonas spp., zu beobachten ist.

Es wurden deshalb Laborversuche mit einer Mischbiozönose und Reinkulturen von Pseudomonas aeruginosa und Aeromonas hydrophila im Vergleich durchgeführt. Dabei wurde als Versuchswasser ein huminstoffhaltiges Trinkwasser gewählt, das ohne Chlorung keine Aufkeimung im Leitungsnetz zeigt. Nach Chlorung und vollständiger Chlorzehrung zeigt dieses Wasser allerdings sowohl in der Praxis als auch im Laborversuch eine deutliche Aufkeimung. Dieses Wasser mit einem DOC-Gehalt von rd. 1,5 mg/L wurde im Labor mit einer minimalen und einer maximalen Chlordosis über 48h behandelt (0,6 mg/L / 6 mg/L Zugabe) und anschließend das evtl. noch vorhandene freie Chlor durch Zugabe von Natriumthiosulfat inaktiviert. Die Animpfung erfolgte im Anschluss nach Sterilfiltration im Vergleich zum unbehandelten Trinkwasser mit der Mischbiozönose und den beiden Reinkulturen.

In der Mischbiozönose war unter mesophilen Bedingungen jeweils eine Zunahme der Koloniezahlen zu verzeichnen, die in den gechlorten Proben deutlich stärker war als in den ungechlorten Proben (> 1 Zehnerpotenz). Bei den untersuchten Reinkulturen trat unter diesen Bedingungen dagegen keine Zunahme auf, sondern die Werte blieben gleich (Pseudomonas aeruginosa) oder nahmen im Zeitverlauf ab (Aeromonas hydrophila). Ein Vergleich der End-werte nach 20/21 Tagen zeigt jedoch, dass auch bei den Reinkulturen ein fördernder Effekt der Chlorung zu verzeichnen ist.

In gechlorten und gezehrten Wässern ist deshalb für diese beiden hygienisch relevanten Arten keine mit den Mischbiozönosen vergleichbare Aufkeimung zu erwarten, allerdings kann es durch die Chlorung zu einem besseren Überdauern kommen (bei Aeromonas hydrophila). Pseudomonas aeruginosa zeigte nur einen geringen Chlorungseffekt, aber unabhängig von der Chlorung ein sehr langes Überleben ohne abzusterben.