Desinfektion von Trinkwasser-Installationen unter besonderer Berücksichtigung des Warmwasserbereichs< zurück

In Auswertung der im Rahmen des DVGW-Vorhabens W 10/01/04 durchgeführten Bestandsaufnahme zur Erfassung der mikrobiologischen Situation in Trinkwasser-Installationen wurde festgestellt, dass in 20 - 30 % aller Warmwasseranlagen eine Legionellenbelastung vorliegt. In 50 % der Fälle wurden Konzentrationen von > 100 Legionellen / 100 ml nachgewiesen. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass zur Beseitigung der Probleme eine Sanierung der Anlagen erforderlich ist. Insbesondere in größeren Objekten können hierfür jedoch längere Planungs- und Vorbereitungszeiten erforderlich sein. In diesen Fällen werden als Übergangslösung i. d. R. Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt. Neben der thermischen Desinfektion kommt hierbei zunehmend auch die chemische Desinfektion zum Einsatz, wobei zwischen Anlagendesinfektion und kontinuierlicher Desinfektion zu unterscheiden ist. Die Durchführung der Anlagendesinfektion orientiert sich dabei an den Angaben des DVGW-Arbeitsblattes W 291, die auch in den aktuellen Entwurf der DIN EN 806-4 übernommen worden sind. Hierbei handelt es sich jedoch um Erfahrungswerte zum Desinfektionsmitteleinsatz, die aus dem Bereich des Netzbetriebes stammen. Für den Bereich der Trinkwasser-Installation liegen bisher keine ausreichenden Untersuchungsergebnisse vor. Dies betrifft insbesondere erforderliche Konzentrationen und Reaktionszeiten für die Abtötung von Legionellen und Pseudomonas aeruginosa sowie die Auswirkungen auf die in der Hausinstallation verwendeten Materialien. Von Seiten der Hersteller von Desinfektionsanlagen wurde darüber informiert, dass in Trinkwasser-Installationen bereits ca. 400 Desinfektionsanlagen zur kontinuierlichen Desinfektion installiert worden sind. Damit soll nach einer Anlagendesinfektion längerfristig eine mikrobiologisch einwandfreie Beschaffenheit gewährleistet werden. Einzelne Veröffentlichungen und eigene Untersuchungen an Anlagen zeigen jedoch, dass in vielen Fällen nur eine unzureichende Wirkung erzielt wird. Daneben wurde über Fälle berichtet, in denen der Desinfektionsmitteleinsatz zu Materialproblemen oder auch zu neuen hygienischen Problemen bedingt durch die Nebenproduktbildung geführt hat. Zusammenfassend ist festzustellen, dass von Legionellenbelastungen in Trinkwasser-Installationen eine hohe gesundheitliche Gefährdung ausgeht. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit Sanierungskonzepte zu erarbeiten, die auch die Desinfektion mit einbeziehen. Die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes der Desinfektion in kontaminierten Installationen sind bisher jedoch nicht bekannt. Als Voraussetzung für die Erarbeitung des Regelwerkes sind hierzu zwingend detailliertere Informationen erforderlich. Im Rahmen des beantragten Vorhabens sollen deshalb die Möglichkeiten und Grenzen der Desinfektion in der Trinkwasser-Installation geklärt und Empfehlungen zum Einsatz (einzusetzende Desinfektionsmittelkonzentrationen und Reaktionszeiten) erarbeitet werden. Die Bearbeitung des Vorhabens ist eine Voraussetzung für die weitere Regelwerksbearbeitung auf dem Gebiet der Trinkwasser-Installation.

Ansprechpartner

DVGW-TZW Außenstelle Dresden
Dr.-Ing. Burkhard Wricke
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Laufzeit

01.08.2008 bis 31.01.2010