Planung und Betrieb von Trinkwasserverteilungssystemen im Hinblick auf die Vermeidung von Aufkeimungserscheinungen< zurück

Projektnummer: W 6/01/05

Ein wesentlicher Aspekt bei der Wasserversorgung ist die Vermeidung von Koloniezahlerhöhungen. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass das Risiko einer Verkeimung gering ist, wenn eine niedrige Nährstoffkonzentration, geringe Aufenthaltszeit und niedrige Wassertemperatur vorliegen. Die Erfahrungen der Praxis zeigen jedoch, dass der Nährstoffgehalt von Trinkwässern erheblich variiert, Verweilzeiten bis zu Wochen auftreten und Wassertemperaturen von > 20°C im Netz vorliegen können. Trotzdem sind Probleme mit Koloniezahlerhöhungen selten und treten vor allem dann auf, wenn sich die Randbedingungen für die bakteriologischen Vorgänge plötzlich verändern. Im Forschungsvorhaben wurden die Prozesse der Aufkeimung im Detail untersucht und hierauf aufbauend ein vorhandenes Prozessmodell konkretisiert. Ziel war es, Empfehlungen für die Planung und den Betrieb von Trinkwasserverteilungssystemen im Hinblick auf die Vermeidung von Koloniezahlerhöhungen abzuleiten.

Die Untersuchungen zu den Prozessen von Koloniezahlerhöhungen wurden an Versuchsanlagen durchgeführt. Die Schlussfolgerungen aus den Untersuchungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Die gesamten inneren Oberflächen eines Trinkwassersystems sind mit Bakterien besiedelt.
  • Die Bakterienbesiedlungsdichte auf den Oberflächen variiert unabhängig von der Wasserbeschaffenheit sowie den Betriebsbedingungen nur relativ gering.
  • Eine Koloniezahlerhöhung im Wasserkörper ist primär ein Effekt der Bakterienabgabe von den Oberflächen in den Wasserkörper.
  • Entscheidend für die Koloniezahlerhöhungen ist die Aktivität (Yield: C-Bakterien/DOC) der Bakterien auf den Oberflächen. Abzuleiten ist, dass die Bakterien in einem jungen Biofilm einen höheren Yield aufweisen und dieser mit der Alterung deutlich abnimmt.
  • Der Nährstoffgehalt des Wassers nimmt durch die biologischen Abbauvorgänge mit der Verweilzeit des Wassers im Netz sukzessive ab. Hierdurch sinkt das Aufkeimungsrisiko mit Zunahme der Aufenthaltszeit.
  • Bei stabilen Randbedingungen ist die Wassertemperatur bis 20°C für Koloniezahlerhöhungen von untergeordneter Bedeutung.
  • Bei stabilen Randbedingungen ist der Einfluss der Veränderung der Nährstoffsituation für ein Risiko von Koloniezahlerhöhungen relativ gering.
  • Das höchste Risiko von Koloniezahlerhöhungen ergibt sich bei einem diskontinuierlichen Einsatz von chemischen Desinfektionsmitteln sowie bei schwankender Desinfektionsmittelrestkonzentration.

Für die Planung und den Betrieb von Trinkwasserverteilungssystemen leiten sich folgende Handlungsempfehlungen ab:

  • Eine Redimensionierung von Netzen unter dem Gesichtspunkt der Vermeidung von Koloniezahlerhöhungen ist nicht zwangsläufig erforderlich. Zu berücksichtigen ist jedoch der Einfluss der Fließgeschwindigkeit auf die Bildung von Ablagerungen in den Leitungen.
  • Bei den in Deutschland üblichen Randbedingungen ist eine Nachdesinfektion des Wassers im Verteilungssystem zur Vermeidung von Koloniezahlerhöhungen nicht erforderlich.
  • Bei einer Inbetrieb- sowie Außerbetriebnahme einer chemischen Desinfektion können erhöhte Koloniezahlen auftreten.
  • Ein regelmäßiger Wasseraustausch in Stagnations- und Endbereichen zur Vermeidung einer Rückverkeimung des Netzes ist nicht erforderlich.

Nicht durchflossene Abschnitte sollten unter technischen Gesichtspunkten nach Möglichkeit vom Netz getrennt werden. Ist dies, z.B. zur Sicherung des Löschwasserbedarfs, nicht möglich, so sind keine bakteriologischen Rückwirkungen aus diesen Abschnitten für das Netz zu erwarten.

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