Sanierung nitratbelasteter Grundwässer durch landwirtschaftliche Maßnahmen< zurück

Erfolgsperspektiven der Sanierung nitratbelasteter Grundwässer durch landwirtschaftliche Maßnahmen
Kurzbeschreibung

Die abgeschlossene Studie zu den "Erfolgsaussichten der Sanierung nitratbelasteter Grundwässer durch landwirtschaftliche Maßnahmen" ergab, dass eine Sanierung durch landwirtschaftliche Maßnahmen auch bei fast ausschließlich landwirtschaftlich genutztem Einzugsgebiet unter bestimmten Randbedingungen grundsätzlich möglich ist. Als Basis für eine Entscheidung zur Sanierung empfiehlt sich eine detaillierte Bestandsaufnahme und gebietsspezifische Situationsanalyse. Hierfür wurden die theoretischen Grundlagen erarbeitet. Ziel eines Sanierungsgutachtens ist es, grundsätzliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung nitratbelasteter Grundwässer darzustellen, und aufzuzeigen, von welchen naturgesetzmäßigen Sanierungszeiten auf der Basis der hydrologischen und hydrogeologischen Rahmenbedingungen sowie auf Basis der erreichbaren Nitratkonzentrationen auszugehen ist. Die Aufenthaltszeit des Sickerwassers in der ungesättigten Zone und die Reaktionszeit im Aquifer, bis eine signifikante Grenzwertunterschreitung im Brunnenrohwasser festzustellen ist, sind dabei die bestimmenden Faktoren. Selbst unter günstigen hydrogeologischen Bedingungen ist jedoch meist von Sanierungszeiten von mehreren Jahren auszugehen.

Vor dem Hintergrund der Trinkwasserverordnung wird deutlich, dass insbesondere in Versorgungsgebieten ohne eine Zumischungsmöglichkeit von nitratarmem Wasser dringender Handlungsbedarf gegeben ist: Ausnahmegenehmigungen zur Verteilung von Trinkwasser mit einem Nitratgehalt über 50 mg/L werden entsprechend § 9 Abs. 6 bis 8 TrinkwV 2001 einschließlich möglicher Verlängerungen maximal über einen Zeitraum von sechs bzw. neun Jahren erteilt.

Ein einfaches Bewertungsschema ermöglicht es, eine erste Einschätzung der Erfolgsaussichten vorzunehmen. Wird eine Entscheidung zur Durchführung von Sanierungsmaßnahmen getroffen, muss ein Sanierungsplan auf der Basis des Gutachtens erstellt und schnellstmöglich umgesetzt werden. Dabei ist die dauerhafte Umsetzung wirksamer Sanierungsmaßnahmen auf einem hohen Flächenanteil des Einzugsgebietes zwingend erforderlich und durch geeignete Effizienzkontrollen zu begleiten. Eine Auswahl möglicher Maßnahmen aus den Bereichen Nutzungen und Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte und Begrünungen, Düngung, Bodenbearbeitung, Wirtschaftsdüngeranfall, -lagerung und -verteilung, wurde zusammengestellt. In vielen Fällen dürfte eine Änderung der Landnutzung (Reduzierung der Ackerflächen und des Anteils an Sonderkulturen, Extensivierung, Anlegen von Dauergrünland, Stilllegung, etc.) zumindest in Gebietsteilen unumgänglich sein.

In einigen Gebieten wird es nicht gelingen, das Grundwasser innerhalb einer für den Wasserversorger akzeptablen Zeitspanne zu sanieren. Sollte die Bewertung der Sanierbarkeit ergeben, dass landwirtschaftliche oder auch weitergehende Maßnahmen nicht oder nur in einer nicht vertretbaren Sanierungszeit zum Ziel führen, so müssen technische Maßnahmen in Erwägung gezogen werden. Änderungen im Brunnenmanagement können flankierend zu Maßnahmen in der Landbewirtschaftung oder der Landnutzung durchgeführt werden. Bei einer Trinkwasseraufbereitung oder bei Fremdwasserbezug sind der Erhalt des Wasserschutzgebietes und die Fortführung der Sanierungsmaßnahmen anzustreben, die Ausgleichsleistungen für die im Einzugsgebiet wirtschaftenden Landwirte jedoch zu überprüfen.

Publikationen:

KIEFER, J., BALL, T. 2005: Sanierung nitratbelasteter Grundwässer durch landwirtschaftliche Maßnahmen. Veröffentlichungen aus dem Technologiezentrum Wasser, 28 (ISSN: 1434-5765) : 93 - 111; Karlsruhe

Ansprechpartner

Förderung

DVGW – Landesgruppe Baden-Württemberg badenova AG & Co. KG, Freiburg Zweckverband Landeswasserversorgung, Stuttgart

Projektdauer

2003 - 2004